Barrierefreiheit in Deutschland
Die BITV stellt die Anforderungen barrierefreier Websites in Deutschland. 14 Anforderungen müssen erfüllt sein, damit eine Website als barrierefrei erklärt werden kann.
Des weiteren kann man sich an die Web Content Accessibility Guidelines richten. Ich persönlich ziehe es neuerdings vor, eine Website nach ihnen zu gestalten und dann mit der BITV anzugleichen.
Content Management Systeme
Moderne CMS stellen oft barrierefreie Templates zur Verfügung oder geben dem Benutzer die Möglichkeit, das Template selber zu verfassen. Damit wäre das grobe Raster des Frontends (die Ausgabeseite) schon mal eine gute Grundlage für eine barrierefreie Website.
Was sind Templates?
Templates sind Vorlagen für das Frontend (Ausgabeseite). Sie bestimmen das Layout und Design, sowie die strukturelle Gliederung der Inhalte.
Wo ist der Haken?
Nicht jeder Autor (bzw. Benutzer des CMS-Backend) beherrscht die lokalen Richtlinien der Barrierefreiheit und hat jedes mal die Lust, seine in HTML verfassten Texte auf die Richtlinien der Barrierefreiheit zu prüfen. Doch ein CMS verhindert nicht das Veröffentlichen eines Inhalt, der nicht barrierefrei ist.
Außerdem ist heute kein CMS in der Lage, die Inhalte der Website auf die Richtlinien zu überprüfen. Es kann auch nicht jede Abkürzung durch entsprechende HTML-Syntax zugänglich zu machen. Auch nicht-gekennzeichnete Sprachwechsel können verhindert werden.
Fazit
Es liegt also letzten Endes nur am Autor (bzw. am Benutzer des CMS-Backend), ob eine Website barrierefrei ist und bleibt. Er muss die Richtlinien der Barrierefreiheit kennen und sie anwenden, damit die Website zugänglich bleibt.
Kurz:
Eine CMS-basierte Website ist nur barrierefrei, wenn der Benutzer des CMS-Backends die Richtlinien kenn und anwendet. Das Template allein macht eine CMS-basierte Website nicht barrierefrei und zugänglich, es verbessert und erleichtert diese Punkte nur.
Hinweis: Der Titel dieses Artikels könnte besser »Es gibt kein barrierefreies CMS-Frontend« lauten. Jedoch habe ich mich für die Kurzfassung entschieden.
http://papoo.de
Nach Papoo ist ihr CMS barrierefrei, hab es nicht wirklich genau geprüft usw. Kannst dir mal genauer anschauen.
Mit Papoo ist es zwar möglich barrierefreie Websites zu erstellen, jedoch auch nur mit Fachwissen. Behaupten kann man viel ;)
@ Jeriko: die neue Version 4 von Typo3 kann ist meines Wissens so konfiguriert, dass sie XTHTML transitional schreibt. Da Inhalte über vorgegebene Inhaltselemente und einen konfigurierbaren Wysiwyg-Editor eingebenen werden, ist das auch kontrollierbar. Ausserdem kann ab dieser Version ein CSS-Design relativ einfach realisiert werden, zudem wurde das Backend um viele barrierefreie Elemente erweitert, so dass der Redakteur barrierefrei arbeiten - wenn er will. Natürlich wird er nicht dazu gezwungen. Unter den Biene-Awards sind übrigens drei Typo3-Auftritte.
@Martin: Ich denke nicht, dass ein Zwang möglich oder auch nur erstrebenswert ist. Wo soll dieser enden? Beim Alt-Tag oder beim alternativen Content? Eine Veröffentlichung nur zulassen, wenn es eine Audio-Dateien für jeden Text gibt, oder wenn für jedes Video ein Text und ein Fassung in Gebärdensprache vorliegt? Oder eine Sprachprüfung: das CMS entscheidet, wann "leichte Sprache" gegeben ist ... Es gibt für Barrierefreiheit keine absolut verbindlichen Regeln und vor allem sind diese nicht eindeutig definiert, ausserdem unterscheiden sich die Zielgruppen. Deshalb macht ein Zwang keinen Sinn. Das CMS muss Hilfestellung geben, der Rest muss leider der Redakteur machen.
Richtige CMS verwalten wie gesagt nur die Inhalte und übergeben die Darstellung vollkommen dem, der die Templates errichtet.
Dazu hat Tommy Olsson auf 456bereastreet einen guten Kommentar hinterlassen http://www.456bereastreet.com/archive/200604/content_management_systems_used_by_public_sector_websites_found_lacking/#comment11
Richtige CMS verwalten wie gesagt nur die Inhalte und übergeben die Darstellung vollkommen dem, der die Templates errichtet.
Dazu hat Tommy Olsson auf 456bereastreet einen guten Kommentar hinterlassen http://www.456bereastreet.com/archive/200604/content_management_systems_used_by_public_sector_websites_found_lacking/#comment11
Unsere Firma ist zurzeit mit der Entwicklung eines völlig barrierefreien Verwaltungssystems beauftragt. D.h.: Es wird nur schematisch korrekter Code ausgegeben, bzw. es kann nur "barrierefreier" Content ausgegeben werden.
Außerdem ist auch das Backend barrierearm, sodass auch motorisch- und seh- beeinträchtigte Personen die Website verwalten können.
Vorraussichtliche Fertigstellung: November 2006
http://dragon-scripts.de/dino/
Das ist eigentlich ein recht gutes CMS in dem Sinne.
Wie verhindert denn euer CMS ein Einstellen eines Inhalt mit einer nicht-gekennzeichneten Abkürzung wie z.B. "WDT"
Mittels AJAX werden Abkürzungen (Aneinanderreihung von mind. 2 Großbuchstaben) erkannt und werden mit einer Datenbank mit gängigen Abkürzungen abgeglichen. Beim Speichern des Inhaltes bekommt der Nutzer dann eine Meldung, dass er vergessen hat, eine Abkürzung zu kennzeichnen. Dann kann er entweder den Systemvorschlag wählen, oder eine eigene Abkürzung eingeben. Danach wird das Dokument gespeichert.
Was ich vergaß:
Natürlich gibt es im Texteditor selbst auch eine Funktion um den Abkürzungen eine Beschreibung hinzuzufügen.
Wow, nicht schlecht gelöst. Eurer Projekt klingt sehr interessant. Da kommen mir noch ein paar Fragen auf:
1. Wie groß ist die Abkürzungs-Datenbank
2. Wie reagiert das Content Management System auf Sprachwechsel
3. Wie reagiert das System auf gleiche Linktexte ohne verschiedene title-Attribute
4. Kennt das CMS die Frabrichtlinien (Vordergrund & Hintergrund) und wie wertet es die Kontraste eingebetteter Bilder aus?
5. Was macht das Backend ohne JavaScript-Unterstützung - also ohne AJAX - so sicher.
Die Abkürzungsdatenbank kann jederzeit im Backend Erweitert werden.
Aber zurzeit ist ein Praktikant damit beschäftigt, die ungefähr 50 000 Abkürzungen aus dem Duden in die Datenbank einzutragen. (Ja wir sind grausam :-))
Meinst du Sprachwechsel im Content, oder der Sprachwechsel im CMS?
Die Farbrichtlinien werden ja über die CSS- Datei definiert. In dieser hat der Redakteur ja nichts zu suchen :-) Da das CMS dann ja über unsere Agentur vertrieben wird, bekommen die Administratoren natürlich eine Einschulung zum Thema Farbkontraste, usw. Aber für das Template selbst ist zurzeit keine eigene Überprüfung durch das System geplant.
Tja, das mit der JavaScript- Unterstützung ist leider der einzige Schwachpunkt. Aber da das Backend ja nicht für die breite Masse, sondern nur für spezielle Personen gedacht ist, müssen diese wohl oder übel einen JavaScript- fähigen Browser haben.
Hi,
ich bin mir nicht sicher ob du dich auch wirklich mit Papoo beschäftigt hast. Mal das Backend aufmachen, sehen das es da Menüpunkte gibt und dann sagen das es nur mit Fachwissen geht...
Von mir dazu:
Auch bei Papoo gibt es die Möglichkeit Abkürzungen und Sprachauszeichnungen automatisch einpflegen zu lassen, läuft bei jeder Inhaltserstellung mit (Menü, Artikel etc.) und das ohne Ajax! Unsere Datenbank pflegt jeder Seitenbetreiber selber, da viele Abkürzungen unterschiedliche Bedeutung haben wie z.B. DNS. Wir hatten auch mal ein Experiment mit 10.000 Einträgen, haben das aber wieder eingestellt.
Bei der Einpflege von Bildern must du!! alt und title angeben.
Das Frontend ist natürlich BF, tabellenlos, XHTML 1.0, genauso wie die Admin. Alle Formulare sind korrekt gelabelt. Welches System wird sonst von Blinden genutzt um ihre Inhalte auf eigenen Seiten zu erstellen? Die gesamte Admin funktioniert auch !ohne! Javaskript, im Zweifel sogar mit Lynx. Wir verwenden dieselben Regeln für Frontend wie Backend, und da sind wir denke ich mit die einzigen.
Es laufen im Hintergrund eine Reihe von Prozessen die überflüssigen Code korrigieren. Zusätzlich setzen wir auf tidy bei PHP5, da das Rad hier nicht neu erfunden werden muß. Damit bekommt man fast mühelos valides Markup XHTML 1.0 auch wenn man MS Word Inhalte ins Backend per Copy und Paste einfügt. Denn das nicht zu erlauben ist ebenfalls eine Barriere für eine Reihe von Seitenbetreibern.
Das System ist wirklich einfach zu bedienen. Die einzigen die mit der Bedienung Probleme haben sind Leute die vorher alles in HTML von Hand geschrieben haben.
Und ja, den Redakteur/Seitenersteller/Betreuer können auch wir nur unterstützen. Wenn er will kann er fast alle Bemühungen konterkarieren. Da kommt es auf ein wenig gesunden Menschenverstand evtl. eine Schulung und auch dem Willen das richtig umzusetzen an.
Wir haben mitlerweile mehr als 2 1/2 Jahre Erfahrung in dieser speziellen Thematik und können sicher auch beurteilen was Sinn macht und was nicht.
Letzlich haben wir schon mehr als 250 Seiten nahezu barrierefrei gemacht, ich denke das spricht für sich :-)
Viele Grüße,
Carsten
Danke für dein Kommentar. Ohne als Dickkopf dastehen zu wollen: Ich habe mir nur kurz eure Website angeschaut und dort sind mir schon kleine Fehler aufgefallen. Darum habe ich gedacht, dass es das CMS nicht besser kann. Bitte nimm mir die schnelle Beurteilung von papoo nicht übel.
Wenigstens ist die Seite (Papoo) nach W3C fehlerfrei validiert - bis auf das css, man sollte nämlich leerstellen nach den Punkten (für Klassen) unterlassen:
. galerie_reorder_knopf
{
border: 1px solid #990000;
}
. galerie_reorder_knopf:hover
{
border: 3px solid #990000;
}
Wenn einer mal Lust und Zeit hat, kann er ja mal die Akronym-Funktion für Typo3 bauen - die bäuchte ich nämlich ;-)
@Martin
Übel nehme ich selten etwas, aber wenn du schon urteilst dann bitte fundiert ;-) Welche Fehler meinst du?
@cre-aid
Nichts ist perfekt. Wir stecken mittem im Beta Zyklus, da passieren solche Kleinigkeiten.
Viele Grüße,
Carsten
@ Carsten: Ich hab einfach mal das Login spaßenshalber ausprobiert. Falsches Passwort - klar. Doch dann ist im Firefox 1.5.0.2 ist der "Passwort vergessen"-Link nicht mehr sichtbar, da die Fehlerausgabe das Formular nach unten schiebt.
@Martin
Danke für den Hinweis. Da macht der IE es mal besser als der FF... mal wieder ein typisches Crossbrowser CSS Problem.
Viele Grüße,
Carsten
Vielfach wird vergessen, dass es ein barrierefreies CMS tatsächlich nur barrierefrei ist, wenn Frontend und Backend barrierefrei sind. Laut BITV muss man das auch beachten. Wird nur nicht.
Übrigens wird da wieder der Blick auf ein fast vergessenes, aber sehr mächtiges CMS vergessen: Midgard
Hat da jemand viel Erfahrung mit? Würde mich mal interessieren, was derjenige so darüber denkt.
Was Papoo angeht, da bin ich gerade dabei es auszuprobieren. Könnte für unser Magazin sogar interessant werden :)
Jeriko
18.04.2006
Mal abgesehen von der Barrierefreiheit bin ich irgendwo immer noch auf der Suche nach einem professionellen CMS, das gültiges HTML 4.01 oder gleich XHTML erzeugen kann. Nicht für mich persönlich, es würde mich einfach nur interessieren, ob es derlei CMS für wirklich(!) große Installationen überhaupt gibt...