The Ultimate Guide to Asi-Gang
Die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zwingt einen immer wieder dazu, auf engstem Raum Zeit mit Leuten zu verbringen, denen man normalerweise nicht begegnen würde (um das mal nett auszudrücken). Heute im Zug Münster-Enschede durfte ich meine Zeit mit einer Horde pubertierender Russlanddeutscher (die Herkunft der Eltern tut hier grundlegend nichts zur Sache und dient nur der Erleuterung) verbringen, und obwohl ich eigentlich lesen wollte, verbrachte ich die meiste Zeit (zwangsweise) damit, mir zu überlegen, ob ich lachen oder weinen sollte. Soviel Dummheit auf einem Haufen hab ich selten erlebt. Um nicht sinnlos damit gequält worden zu sein, nutzte ich die Zeit schließlich, um zu analysieren, welche Qualitäten ein Teenager denn nun haben muss, wenn er von der Asi-Gang anerkannt werden will. Hier habe ich meine Forschungsergebnisse zusammengefasst:
1. Du brauchst einen Handylautsprecher. Mach dir keine Sorgen um die Qualität, je schlechter, je höher deine Aufstiegschancen. Wichtig: Bitte keine Musik spielen - nur hirnloser, wenn möglich auch noch schwulen- und frauenfeindlicher Krach wird anerkannt.
2. Deine schlammverkrusteten, aber neu gekauften Sneaker gehören auf den Sitz vor dir, nicht auf den kostbaren Boden.
3. Du wirst in einer Unterhaltung erst anerkannt, wenn du auf geschickte Art möglichst oft das Wort Hurensohn in deine Sätze einfädelst. Je öfter und lauter, je höher dein Rang.
4. Kiffen ist toll. Sätze wie “ey Alter, wenn ich intelligenter wär würd ich in Holland studieren, dann könnte ich jeden Tag in den Coffeeshop gehn, Hurensohn” erheitern deine Gangmitglieder und garantieren dir Aufstiegschancen.
5. Für Fortgeschrittene: Der oberste Checker wirst du, wenn du dich mit Preisen von Prostituierten auskennst, und deinen Kumpanen ein detailliertes Preis-Leistungs-Verhältnis darlegen kannst. Kümmere dich nicht um die Würde der Frauen, wenn sie “hässliche Schl*mpen” sind, solltest du das ruhig mitteilen, damit deine Kumpels nicht auf die gleiche Abzocke reinfallen.
So, liebe Leser, wessen Traumberuf Mitglied einer Asi-Gang ist, sollte nun keine Schwierigkeiten mit dem Aufbau einer Karriere mehr haben.
marten
12. November 2007 um 19:08 Uhr
hehe, köstlich geschrieben. du hast aber ein paar sachen vergessen:
der optimale kleidungsstil besticht aus zu meist zu weiten klamotten, vorzugsweise günstige imitate. die hose muss in die socken!
ketten, “panzerkette” gehören mindestens um den halz, am besten aber auch ums handgelenk.
dazu kommt noch der fiese blick allen nicht-gangmitgliedern gegenüber. grrr, sie sind ja sowas von ghetto und bööööse. grrr. alles hämpflinge.
Miriam
12. November 2007 um 19:14 Uhr
Oh ja, danke für die Ergänzungen! :)
Aber der fiese Blick gilt wohl nur männlichen Wesen, wenn man als Frau halbwegs nett aussieht, wird man eher mit einem dümmlichen Grinsen abgecheckt. Das war jedenfalls meine Erfahrung bisher. Is aber auch nicht besser ;)
Vreni
12. November 2007 um 19:56 Uhr
Wunderbar realitätsnah beschrieben ;)
Sally
13. November 2007 um 15:01 Uhr
ich lach mich tooooooot looool. Irgendwoher kenn ich das ganze doch?!?
P.S.: ich arbeite darauf hin, leader einer solcher Gang zu werden, danke für die vielen hilfreichen Tipps *hehe*
Matthias
17. November 2007 um 20:08 Uhr
Hast Du in Deine “Forschung” auch einbezogen, dass Aussehen und Verhaltensweisen dieser Jugendlichen auch ein Spiegelbild unserer Gesellschaft sind?
Gewisse Einflüsse (z. B. MTV), sowie fehlende Einflüsse (”vernünftige Freunde”, Elternhaus) sind dafür verantwortlich.
In anspruchslosen Videoclips gewisser Rapper wird Jugendlichen das äußere Erscheinungsbild und das abschätzige Verhalten gegenüber Frauen dargeboten.
Die Ironie in den Videos verstehen die Jugendlichen z. T. leider nicht.
Jugendliche, vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund fühlen sich von der Gesellschaft nicht verstanden und ausgegrenzt und bilden somit eigene Gruppen/Cliquen in denen sie sich verstanden fühlen und anerkannt werden.
Du solltest Dich lieber fragen was wir alle falsch machen, statt so zu tun, als würden Menschen sich von “selbst” so entwickeln, oder gar so geboren werden…
Miriam
17. November 2007 um 20:44 Uhr
Glaub mir, was “wir alle” falsch machen frag ich mich oft genug. Auf die Gründe, warum die Jungendlichen sich so verhalten, bin ich im Übrigen überhaupt nicht eingegangen. Ich habe lediglich die Symptome beschrieben.
Du hast natürlich recht mit dem was du beschreibst, aber du solltest meinen Text vielleicht etwas weniger ernst nehmen.