24 Hour Party People
Ein genialer Film. Eine tolle Zeit, ein tolles Lebensgefühl. Ich wünschte, ich lebte in einer solchen Zeit, in der etwas Neues, Nochniedagewesenes anbricht. Diese Atmosphäre beim ersten Gig der Sex Pistols in Manchester vor nur 42 Leuten. Man spürt das Neue, die Luft ist aufgeladen mit Intellektualität (wobei das auch an Tony Wilson liegen könnte). Heute ist alles immer irgendwie gleich - zum xten Mal die gleichen remakes von Bla. Die Welt dreht sich im Kreis, der Höhepunkt ist vorbei. Wenn doch etwas neues kommt, schockt es nicht mehr. Wir sind post-neophil, das immer neue ist für uns normal. Bäh.
Ein Revoluzzer hätte bei uns überhaupt keine Chance mehr. Es sei denn er sieht gut aus und erkauft sich die Herzen der Anhänger mit guter Musik oder etwas Herzschmerz. G8-Proteste, Live 8, whatever, alles nur Mode-Bewegungen. Prosieben macht Werbung für den Klimaschutz. Halbnackte Männerphantasien werden im Wasser ertränkt, oh nein doch nicht, die Welt kann gerettet werden wenn du mithilfst und eine Sms schickst. Krank. Es ist Mode, ein Gutmensch zu sein, oh ja, Bono ist unser Held. Alles nichts wirklich Neues, nichts wirklich Weltbewegendes. Vielleicht für Bono oder Bill Gates, aber die Millionen Teenies die meinen auf Konzerte gehen kühlt die Erdatmosphäre oder lindert das Hungern in Afrika, sind doch nur bodenlos oberflächliche (oh ein Paradoxon) Modehuren. Ja, das hat nichts mehr mit den Sex Pistols oder Manchester zu tun, aber dieses sinnentleerte Trendjetten gab es doch früher nicht, oder? Und somit ist der Titel dieses Beitrags in doppeltem Sinne passend.
Vreni
30. August 2007 um 00:19 Uhr
Gut gesagt.
Rabbit
2. September 2007 um 19:50 Uhr
Und doch gibt es Momente in denen das Herz rasst. Explosionen des Kröpers innerhalb Sekunden - ausgelößt durch schöne Erinerungen, Glück, Erfolg, Überraschungen und nicht zuletzt Träume. Momente, für die es sich lohnt ein Auge offen zu halten, denn was bleibt jenen sonst, die dazu bestimmt sind 24/7 wiederkehrende Perioden zu durchlaufen. Es sind eben doch die kleinen Dinge, die das Leben lebenswert machen - man muss nur Auschau danach halten und an sie glauben.
Miriam
2. September 2007 um 22:31 Uhr
Nein nein, du verstehst mich falsch :) Ich rede nicht von meinem persönlichen kleinen Kosmos, sondern von der Gesellschaft an sich. Diese Oberflächlichkeit - es fühlt sich alles so hohl an. Ich bilde mir ein, dass das früher anders war, aber wer weiß, vielleicht wird die Vergangenheit bloß idealisiert und verklärt. Ich war ja leider nicht dabei :)
Vincent
27. Oktober 2007 um 19:21 Uhr
bin hier zufällig beim googlen gelandet.. dachte es gibt ein tip für einen tollen film nachdem ich das Suchwort “modehuren” eingab ;)
stattdessen fand ich das gegenteil? aber ganz interessante Erkenntnisse miss..
Grüsse
Vince
Miriam
2. November 2007 um 20:35 Uhr
Das Gegenteil? Nein, 24 Hour Party People ist ein toller Film, echt! :)