Jürgen Habermas in Münster

Gestern abend vor Münsters Hörsaal Nr. 1: Ein riesiger Menschenauflauf wie ich ihn seinerzeit beim Backstreetboys Konzert nur halb so groß in Erinnerung habe. Es schien, als hätten sich vier Fünftel von Münsters gebildeter Mittelschicht (und die Stadt besteht praktisch aus gebildeter Mittelschicht) versammelt, um den so berühmt wie grandiosen Philosophen Jürgen Habermas einmal persönlich reden zu hören. Drei der vier Fünftel mussten leider einsehen, dass sie einfach zu spät gewesen waren und auf die benachbarten Hörsäle mit Videoübertragung ausweichen, wozu leider auch mein kleiner Bruder und ich gehörten. (So kann ich meinen Enkeln zumindest erzählen, ich war mal im gleichen Gebäude wie Habermas - wenn meine Oma das gleiche über sagen wir Kant sagen würde, fände ich das ziemlich toll. Aber genug des Personenkultes.)

Der Herr hielt einen Vortrag zum Thema “Revitalisierung der Weltreligionen - Herausforderung für ein säkulares Selbstverständnis der Moderne”. Letzendlich muss man sagen, dass man sich vorher hätte überlegen sollen, dass man hier einem Philosophen zuhört und nicht einem Soziologen, Politologen oder ähnlichem. Ein bisschen empirisches Datenmaterial hat mir dann doch gefehlt, denn jetzt bin ich immernoch nicht viel schlauer als vorher - aber ihn als Mensch zu erleben hat sich nichtsdestotrotz sehr gelohnt, denn Habermas ist trotz seines reifen Alters humorvoll, gewitzt, witty würd ich sagen und aus diesen Gründen unglaublich sympathisch. Meine Empfehlung wäre allerdings, seine Reden vorher in schriftlicher Form durchzuarbeiten, denn so leid es mir tut - der Mensch nuschelt unglaublich. Die Hälfte seiner Worte kommen durch die Nase, und so habe ich zwischendurch etwas von Spanischer Schweb-Gymnastik verstanden - worüber er ganz sicher nicht geredet hat (wie ich mir sagen lassen hab).

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