Alkopops und philosophische Erkenntnisse oder: Das Wort zum Sonntag

Ich sitze im Bus und sehe im Schaufenster eines kleinen Kiosks eine einsame, verstaubte Flasche Alkopop stehen. Achja, da war ja mal was. Früher haufenweise gesüppelt, dann irgendwann der politische Aufschrei - die sinnlos saufende Jugend wird immer jünger! Die Alkopops sind Schuld! Moment, da war doch mal was. Achja, unsere Jugend säuft sich sinnlos ins Koma - die Ein-Euro Parties sind Schuld!

Ich denke mir, was bleibt der Jugend anderes übrig als sich sinnlos zuzusaufen. Die Revolution ist vorbei, die Träume gelebt. Was bleibt, ist Sinnlosigkeit. Von Reizüberflutung angeheizte Sinnlosigkeit. Ein schlauer Mensch sagte vor kurzem, dass unsere Zeit keine goßen Denker mehr hervorbringen könne, einfach aufgrund der permanenten Reizüberflutung der jeder ausgesetzt ist. Ein interessanter Gedanke, wenn man sich mal genauer damit beschäftigt. Und wenn man sich unsere Jugend mal ansieht, könnte man direkt unterstützendes empirisches Datenmaterial sammeln. Wir leben doch in einer künstlich geschaffenen Sub-realität aus Oberflächlichkeiten. Wer beschäftigt sich denn unter den Jüngeren noch mit dem großen Ganzen? Ich rede von dauerhafter, als mal einen Abend bei einer Flasche Wein. Wer nimmt denn von den Jüngeren Drogen wegen den bewusstseinserweiternden und nicht den betäubenden Wirkungen? Wer knallt sich denn heutzutage nicht mit Medien zu?

Mein Bruder hat recht - fühlen wir uns deprimiert, hören wir die Musik die uns aufheitert, schauen die Sendungen die uns von unserem gar nicht so schlechtem Leben ablenken, lesen meinetwegen Geschichten die uns an ferne, phantasiereiche Orte bringen - anstatt existenzielle gesellschaftskritische Texte zu verfassen, wie das Menschen wie sagen wir Karl Marx, oder selbst Alice Schwarzer noch taten. Die Verkürzung des Abiturs auf 12 Jahre und die Umstellung auf Bachelor-Studiengänge tut sein übriges, denn somit schwindet auch noch die potenzielle Zeit, die man übrig hätte, sich mit dem Leben an sich zu beschäftigen. Die Jugend wird schnell durchgewinkt, schnell Abi, schnell Uni-Abschluss, los, los - bloß möglichst schnell Teil der Volkswirtschaft sein, bloß möglichst keine Zeit haben um über die kapitalistische Spirale nachzudenken!

Kein Wunder also, dass sich die Jugend sinnlos totsäuft, wenn zwischen Wesen und Anforderungen eine so große Diskrepanz herrscht.

2 Kommentare

  1. Gravatar von OddNina
  2. Gravatar von Vreni

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