Wie man sein Gehirn entmüllt oder: Warum ich untertauchte

Drei Wochen Urlaub von sozialen Netzwerken. Das ist so ganz nicht wahr, denn natürlich konnte ich es mir nicht ganz verkneifen, mehrmals am Tag zumindest auf Facebook zu schauen, was es so neues gibt, aber zumindest Twitter, den Blog und meinen Feedreader habe ich strickt gemieden. Alles fing an mit einer Woche erzwungener Internet-Pause durch eine Studienreise ins Ausland. Als ich wiederkam, hatte ich auf einmal den unbändigen Drang, mein Leben zu entmüllen. Es klingt lächerlich, aber ich konnte meinen zugemüllten Desktop, die zugemüllte Lesezeichenleiste, und mein zugemülltes Gehirn nicht mehr ertragen. Das erste, das ich zurück an meinem geliebten Macbook tat, war nicht, wie sonst, meine Twitter-Timeline und den Feedreader zu checken, sondern das Dock zu entrümpeln, die ganzen gesammelten Lesezeichen in der Browserleiste in einem einzigen Ordner zu verstecken (ich bin kein Fan von Bookmarking-Diensten), und den Desktop-Hintergrund auf ein unauffälliges Weiß mit schwarzem Schriftzug “Wallpaper” zu ändern.

Seit dem Moment bin ich weder in Twitter, noch in meinem Feedreader gewesen. Ich las morgens beim Frühstück anstatt den Twitterstream Zeit Online – und war nach einiger Zeit tatsächlich in der Lage längere Texte ohne Unterbrechung zu lesen. Versteht mich nicht falsch, ich will Twitter nicht schlecht machen, ich finds nach wie vor toll – aber für jemanden wie mich, der sich nur zu gerne ablenken lässt, hat es durchaus seine Nachteile. Ich muss durch mein Studium viel am Computer recherchieren, lesen und schreiben, und da funktioniert es bei mir nicht, den Zugang zu Twitter zum Beispiel auf bestimmte Intervalle zu regulieren – einmal dabei, lasse ich mich ständig ablenken. Und sei es nur dadurch, dass meine Gedanken abwandern um den nächsten Tweet zu formulieren. Das Kopf-Twittern hat übrigens immer noch nicht ganz aufgehört, obwohl es schon weniger geworden ist. Das Formulieren von Blog-Einträgen im Kopf hat auf der anderen Seite aber eher zugenommen, ist aber insgesamt auf einem niedrigeren Niveau.

Im Nachhinein betrachtet, ist es einfach faszinierend, wieviel Zeit ich mit nutzlosen Informationen verschwendet habe. In meinem Twitterstream sind ungefähr drei Viertel der Tweets relativ interessante aber irrelevante Informationen. Das macht Spaß, bringt das Gehirn aber nicht unbedingt voran. In meinem Feedreader sind fast ausschließlich Blogs, die zwar interessante Dinge schreiben, aber eben nur über das Leben anderer, nicht über die Weltpolitik, mit der ich mich eigentlich auseinandersetzen müsste. Und die zwei, drei Blogs, die tatsächlich darüber schreiben, habe ich meistens übersprungen. Der neueste Trend, diese Tumblr-Blogs, von denen ich zum Schluss auch eine wachsende Anzahl mehr oder weniger regelmäßig besuchte, sind dann der Gipfel der Sinnlosigkeit, da man dort ja noch nicht mal mehr tatsächlichen Text lesen muss – außer vielleicht ein paar nette Sprüchlein über die Liebe oder das Leben an sich.

Das Streichen von Twitter und Feedreader hat meine Konzentration zurück auf das gelenkt, was ich für die Uni leisten muss. Die Studienreise hat mir gezeigt, was nach dem Studium auf mich warten könnte, und fuck yeah ich möchte Teil davon werden. Ich möchte mehr lernen über die EU, über die Weltpolitik, über Wirtschaft und was da noch so alles dazu gehört. Es ist jeden Tag für mich ein Ausdruck von Selbstdisziplin, nicht doch auf Twitter zu schauen was es so neues gibt, oder endlich mal wieder meinen Feedreader zu öffnen, und letzendlich weiß ich ja auch gar nicht, ob es meine erneute Motivation tatsächlich wieder kaputt machen würde. Und natürlich weiß ich auch, dass so ein Blog ohne Vernetzung überhaupt nicht funktioniert, aber die letzten drei Wochen haben mir gezeigt, dass ich sowieso hauptsächlich um meiner selbst willen blogge – weil ich Sachen loswerden muss, weil mir das Schreiben unglaublich Spaß macht – da ist es dann eher semi-wichtig wer das ganze Zeug hier liest.

Ich habe mich zu sehr mitreißen lassen, von Twitter, von der Blogosphäre, habe mich zu sehr davon beeinflussen lassen, was für andere Leute wichtig ist. Jetzt muss ich mich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Ich werde mit Sicherheit demnächst wieder anfangen zu twittern – ich liebe Twitter! – und auch meine ganzen lieb gewonnenen Blogs werde ich demnächst wieder auf neuen Inhalt durchstöbern, aber zunächst muss ich die zwei Hausarbeiten, die zwei Referate und die zwei Klausuren hinter mich bringen, die im Januar noch auf mich warten. Aber ab und zu einen kleinen Blog-Eintrag, habe ich mir gedacht, kann bestimmt nicht schaden.

4 Kommentare

  1. Gravatar von Alex Find

    Alex Find

    Hatte auch schon Internet-Pausen, wenn mir die ganze Online-Welt zu viel wurde, aber schon nach ein paar Tagen Abstinenz treten “Entzugserscheinungen” auf und man fühlt sich nicht mehr up-to-date… ;-)

  2. Gravatar von bernd

    bernd

    Du sprichst mir aus der Seele.

  3. Gravatar von Corredina

    Corredina

    Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Wünsche eine schöne Weihnachtszeit.:-)

  4. Gravatar von Miriam

    Miriam

    Danke, gleichfalls :)

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